Körper & Sinne

Wie funktionieren Stacheln, Muskeln und Sinne – und wie nimmt ein Igel seine Umwelt eigentlich wahr?

Stacheln – mehr als nur Schutz

Der Stachelpelz eines erwachsenen Igels besteht aus etwa 5.000 bis 7.000 Stacheln. Biologisch gesehen sind sie stark verhornte, umgebildete Haare aus Keratin – demselben Material, aus dem auch Haare und Nägel bestehen.
Die einzelnen Stacheln sind innen hohl. Dadurch sind sie leicht und zugleich erstaunlich stabil. Jeder Stachel sitzt in einem eigenen Hautfollikel und kann durch kleine Muskeln aufgerichtet werden. In entspannter Haltung liegen die Stacheln eher am Körper an; bei Gefahr richten sie sich auf und bilden einen wirkungsvollen Schutz.

Muskulatur & Einrollen – wie aus einem Igel eine Schutzkugel wird

Das Einrollen ist eine der bekanntesten Fähigkeiten des Igels – doch dahinter steckt ein erstaunlich ausgeklügeltes Muskelsystem. Eine ganz besondere Rolle spielt dabei ein ringförmiger Hautmuskel, der den beweglichen Stachelmantel umgibt.

Dieser sogenannte Ringmuskel funktioniert ein wenig wie der Kordelzug eines Schnürbeutels: Zieht er sich zusammen, wird die lockere, stacheltragende Rückenhaut rund um den Körper nach unten gezogen und die Öffnung zur empfindlichen Bauchseite immer kleiner.

Gleichzeitig zieht der Igel Kopf und Beine dicht an den Körper. Weitere Haut- und Rückenmuskeln helfen dabei, den Stachelmantel über die Körperseiten zu bewegen. Die Stirnstacheln richten sich auf, Kopf und Gesicht verschwinden immer weiter unter dem schützenden Stachelkleid.

Am Ende schließt sich der Stachelmantel nahezu wie ein Schnürbeutel: Bauch, Beine und Kopf liegen geschützt im Inneren, während nach außen fast ausschließlich Stacheln zeigen. Bei einem vollständig eingerollten Igel kann sogar die Nase vollständig unter den Stirnstacheln verschwinden.

Das Besondere daran: Der Igel klappt sich nicht einfach zusammen. Ringmuskel, weitere Hautmuskeln, bewegliche Rückenhaut und Stachelkleid arbeiten gemeinsam wie ein ausgeklügeltes Verschlusssystem. So wird innerhalb weniger Augenblicke aus einem verletzlichen Körper eine nahezu geschlossene Stachelkugel.
 

Nase, Ohren & Augen – wie Igel ihre Umwelt wahrnehmen

Wer nachts unterwegs ist, muss sich nicht in erster Linie auf seine Augen verlassen. Beim Igel spielen deshalb vor allem Geruch und Gehör eine zentrale Rolle. Seine Nase ist ständig in Bewegung und liefert ihm wichtige Informationen über seine Umgebung.

Mit seinem ausgeprägten Geruchssinn findet der Igel Nahrung, erkennt Artgenossen und nimmt Geruchsspuren wahr. Beim nächtlichen Streifzug wird deshalb ausgiebig geschnuppert – am Boden, an Pflanzen und überall dort, wo sich interessante Spuren verbergen könnten.

Auch das Gehör ist sehr fein. Igel nehmen leise Geräusche wahr und können so beispielsweise Bewegungen potenzieller Beutetiere im Laub registrieren. Ihre beweglichen Ohren helfen dabei, Geräusche aus unterschiedlichen Richtungen aufzunehmen und einzuordnen.

Die Augen spielen dagegen eine etwas kleinere Rolle. Igel können sehen und Bewegungen sowie Unterschiede zwischen hell und dunkel wahrnehmen, doch ihre nächtliche Orientierung beruht wesentlich stärker auf Nase und Ohren. Das ist für ein Tier, das einen Großteil seines aktiven Lebens in der Dämmerung und Dunkelheit verbringt, eine ausgesprochen sinnvolle Anpassung.

Zusätzlich helfen Tasthaare an Schnauze und Gesicht, Hindernisse und Strukturen in unmittelbarer Nähe wahrzunehmen. So entsteht aus Geruch, Geräuschen, Sehen und Tasten ein erstaunlich genaues Bild der Umgebung.

Ein Igel erlebt seine Welt also anders als wir: weniger über scharfe Bilder, dafür umso intensiver über Gerüche, Geräusche und Berührungen. Genau diese Kombination macht ihn zu einem hervorragend angepassten nächtlichen Streifgänger.

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