
Nahrung & Verdauung
Was steht wirklich auf dem Speiseplan eines Igels – und wie ist sein Verdauungssystem daran angepasst?
Was frisst ein Igel wirklich? – tierische Kost statt „Igelmüsli“
Braunbrustigel ernähren sich überwiegend von tierischer Nahrung. Auf ihren nächtlichen Streifzügen suchen sie vor allem nach Käfern und anderen Insekten, Insektenlarven, Raupen, Ohrwürmern, Tausendfüßern und weiteren kleinen Gliederfüßern. Dabei sind sie durchaus opportunistisch: Gelegentlich nutzen sie auch Aas, Eier oder sehr kleine Wirbeltiere – beispielsweise nestjunge Mäuse oder Vögel.
Obst, Getreide und Nüsse sind keine geeignete Igelnahrung. Auch wenn ein Igel in der Natur gelegentlich etwas aufnimmt, das nicht zu seiner typischen Hauptnahrung gehört, bedeutet das nicht, dass sein Verdauungssystem darauf ausgerichtet ist oder dass solche Lebensmittel angeboten werden sollten. Seine Ernährung ist klar auf eiweiß- und fettreiche tierische Kost ausgerichtet. Getreide-, Nuss- oder Obstmischungen gehören deshalb nicht an eine Igelfutterstelle.

Verdauung – auf tierische Kost eingestellt

Der Verdauungstrakt des Igels ist vergleichsweise einfach aufgebaut: Er besitzt einen einfachen Magen und einen Darm ohne Blinddarm. Eine ausgeprägte Gärkammer, wie sie viele Pflanzenfresser zur Aufschließung faserreicher Pflanzenkost benötigen, fehlt. Auch die Verdauung des Igels beruht nicht auf einer solchen intensiven bakteriellen Fermentation. Das passt zu seiner natürlichen Ernährung, die überwiegend aus tierischer Nahrung besteht.
Tierisches Eiweiß und Fett liefern dabei wichtige Nährstoffe; mit Insekten nimmt der Igel außerdem ganz selbstverständlich deren Chitinpanzer auf. Große Mengen stärke- und kohlenhydratreicher Zutaten entsprechen dagegen nicht seiner natürlichen Ernährung. Untersuchungen handelsüblicher Igelfutter zeigten beispielsweise, dass stark getreidehaltige Trockenmischungen die Zusammensetzung der natürlichen Nahrung nur unzureichend widerspiegeln und ernährungsphysiologisch problematisch sind.
Das Gebiss – gemacht für tierische Nahrung
Auch das Gebiss des Igels verrät viel über seine Ernährungsweise. Ein erwachsener Braunbrustigel besitzt typischerweise 36 bleibende Zähne. Auffällig sind die relativ großen Schneidezähne; dahinter folgen Eck-, Vorbacken- und Backenzähne. Die oberen Schneidezähne stehen so auseinander, dass die unteren beim Zubeißen dazwischenpassen.
Die unterschiedlichen Zahnformen ermöglichen es dem Igel, kleine Beutetiere zu greifen und tierische Nahrung zu zerkleinern. Seine höckerigen Backenzähne sind dabei keine flachen Mahlzähne, wie sie für Pflanzenfresser typisch wären. Auch das Gebiss passt damit zu einer Ernährung, die überwiegend aus tierischer Kost besteht.


Zufütterung – was gehört wirklich in den Napf?
Auch wenn Igel ihre natürliche Nahrung bevorzugen, kann eine regelmäßige Zufütterung sinnvoll sein – besonders dort, wo naturnahe Lebensräume und damit auch das natürliche Nahrungsangebot knapp geworden sind. Die Futterstelle soll die Nahrungssuche in der Natur nicht ersetzen, sondern ergänzen. Findet ein Igel ausreichend natürliche Nahrung, wird das zusätzliche Angebot meist automatisch weniger interessant.
Als Hauptfutter eignet sich Katzenfutter mit mindestens etwa 60–70 % Fleischanteil, getreide- und zuckerfrei sowie ohne Sauce oder Gelee. Geeignetes Nassfutter kann ebenso angeboten werden wie ein hochwertiges Katzentrockenfutter. Wichtig ist eine möglichst klare Deklaration der Zusammensetzung. Dazu gehört immer eine Schale mit frischem Wasser.
Für etwas Abwechslung können gelegentlich ungewürztes, schlotziges Rührei, gekochtes Rinderhack oder gegartes Hühnerfleisch angeboten werden. Solche Ergänzungen bleiben jedoch Ergänzungen – die Basis sollte ein ausgewogenes Hauptfutter sein.
Mehlwürmer – beliebt, aber ernährungsphysiologisch problematisch
Mehlwürmer werden von vielen Igeln ausgesprochen gern gefressen. Genau darin liegt ein Problem: Sie können gezielt aus Futtermischungen herausgesucht werden, sodass andere, wertvollere Bestandteile liegen bleiben.
Zudem besitzen Mehlwürmer ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis: Sie enthalten vergleichsweise viel Phosphor, aber wenig Calcium. Werden sie regelmäßig oder in größeren Mengen verfüttert, kann dies langfristig zu einem Calciummangel beitragen. Eine solche Fehlernährung kann die Knochenmineralisierung beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zu einer metabolischen Knochenerkrankung führen. Besonders problematisch ist das bei jungen, noch wachsenden Tieren. Mögliche Folgen sind Bewegungsstörungen, Schwäche der Hinterbeine und Veränderungen des Skeletts.
Mehlwürmer sind deshalb kein Hauptfutter und kein sinnvoller regelmäßiger Bestandteil der Fütterung. Wenn überhaupt, sollten sie nur sehr sparsam als gelegentliches Leckerli gegeben und gut unter das Hauptfutter gemischt werden. Beginnt ein Igel, gezielt nur die Mehlwürmer herauszusuchen, sollten sie vollständig weggelassen werden.
Soldatenfliegenlarven – besser, aber ebenfalls nur als Ergänzung
Getrocknete Soldatenfliegenlarven besitzen ein günstigeres Mineralstoffprofil als Mehlwürmer und können deshalb die bessere Wahl sein. Auch sie sollten jedoch nicht zur Hauptnahrung werden. Als kleines Topping unter einem ausgewogenen Hauptfutter reichen maximal etwa ein Teelöffel völlig aus.
Nicht in den Napf gehören Milch, Obst, Gemüse, Getreide, Nüsse, Süßes Speisereste. Auch Schnecken und Regenwürmer sollten nicht gesammelt und verfüttert werden, da sie Zwischenwirte verschiedener Parasiten sein können. Viele handelsübliche „Igelfutter“-Mischungen enthalten zudem Getreide, Nüsse, Trockenfrüchte oder große Mengen Mehlwürmer und sind deshalb nicht geeignet.
Ebenso wichtig wie das Futter selbst ist die Hygiene an der Futterstelle. Näpfe sollten regelmäßig gründlich gereinigt und Futterreste entfernt werden.
Kurz gesagt: Gute Zufütterung orientiert sich an der natürlichen Ernährungsweise des Igels: tierisches Eiweiß als Basis, ein ausgewogenes Hauptfutter, Ergänzungen nur sparsam – und immer frisches Wasser.
